XI
O Friederich! O Friederich!
Ich war erstaunlich liederlich.
Im rötlichen Wein ist alles verschlemmt,
Der Rock, die Hose, der Hut und das Hemd.
Doch fröhlich bin ich und wunderkühn,
Da nun am Strande die Rosen blühn.
Ich springe hinab in den grünen Strom
Und schwimme vorüber an Burg und Dom.
Ein schmucker Delphin kommt eben daher,
Er trägt mich hinunter ins stille Meer.
Gen Westen ist unser Zug gewandt:
Gott grüße dich, schönes Engelland!
Gott grüße dich, Spanien und Portugal!
Ich fliege dahin auf der Wogen Schwall.
Die Nixe singt und der Haifisch springt,
Ein Möwenlied in den Lüften erklingt.
Dort steigen die grünen Inseln herauf,
Dort nehmen mich freundliche Völker auf.
Und König werd ich zur selbigen Stund,
Dieweil ich am meisten vertrinken kunnt.
Nun seufz ich nicht länger - ich säufe nur,
Mein Minister ist ein Mundschenke nur,
Mein Geheimrat singt wie die Nachtigall -
Und wild wächst der Wein im Gebirg und im Tal.
Wie mag es da drüben in Deutschland sein?
Ach Bruder, grüße die Deutschen fein.
Ach grüße mir jeden, der mich kennt,
Und jeden schönen deutschen Student.
XII
Auf meiner Lippe brennend Rot
Blüht nun die fürchterlichste Not,
Da blüht wie auf verdorrter Flur
Das bittre Kraut des Durstes nur.
Zwar hab ich frühe schon und spät
Versucht, was mich kurieren tät:
Liebfrauenmilch genoß ich schon
Als neugeborner junger Sohn.
Und frischte drauf den trocknen Schlund
Mit Wein aus Spanien und Burgund.
Ja mehr des goldnen Weins ich trank,
Als Regen auf die Felder sank,
Als Wasser einst im Meere floß,
Drin Pharao mit Mann und Roß
Zugrunde ging! Ja Wein soviel,
Als Wasser übern Rheinfall fiel! -
Doch immer, wie zu alter Zeit,
Plagt mich dasselbe Kreuz und Leid;
Es stachelt mich des Durstes Dolch,
Als bissen Schlangen mich und Molch.
Und preßtet ihr am ganzen Rhein
All Trauben in ein Faß hinein:
Ich tränk es aus auf einen Zug -
Und hätt noch immer nicht genug.
Und nähmt ihr aus dem ew'gen Rom
Die Kuppel von Sankt Petri Dom
Und fülltet sie mit rotem Wein -
Der Becher wär mir noch zu klein!
Drum hab ich lange schon gesagt:
O schrecklich, wen das Dürsten plagt!
Er ist wie ein verlaßnes Kind,
Das nirgends Ruh und Freude find't.
XIII
Zu Feste lief ich wohl
Von hier bis nach Tirol,
Ich lief drei Meilen weiter,
Ich liefe froh und heiter
Für eine Kanne Wein
Bis in den Mond hinein.
Wär ich ein hohes Tier
Und hörte alles mir,
Und tät in meinen Reichen
Die Sonne nie erbleichen -
Gerät' am Rhein die Rebe nicht,
Ich war ein armer Wicht.
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XIV
Ich mag nicht räsonieren
Ins Dunkelblaue hinein!
Viel lieber will ich probieren
Einen kühlenden Abendwein.
Zwar vor den Herrn Gelahrten,
Da habe ich großen Respekt,
Sie haben schon manche Arten
Geschichten ausgeheckt.
Auch habe ich stets gefunden:
Den Schelling, Hegel, Kant,
Die hat man immer gebunden
In einen Schweinslederband.
Man sagt, daß dies eine Ehre
Für Menschenkinder sei -
Drum, wenn der Wein nicht wäre,
Da studiert ich Philosophei!
XV
Herr König, Ihr, in Gold und Samt,
Ihr seid ein hochgepreister!
Sagt, habt Ihr nicht ein kleines Amt
Als Obertrinkemeister?
Studieren tät ich manches Jahr
Am Neckar und am Rheine
Und an der Mosel und der Ahr
In rot und weißem Weine.
Beim Löwenwirte an der Lahn
Und seiner schönen Schwester
Hab ich mein Geld und Gut vertan
Und blieb dort zwölf Semester!
Bis mein Examen kam heran -
Da war Herr Hans gar fleißig:
Der Fässer größtes stach er an
Vom Jahre vierunddreißig.
Aus allen Schenken nah und fern
Erschienen vor den Toren
Der Fakultät gelahrte Herrn
Und spitzten ihre Ohren.
Und ich dozierte blitzgeschwind
Und wies vor allen Dingen,
Daß Kölner Schoppen kleiner sind
Als die zu Mainz und Bingen,
Und daß hier Simrock, der Poet,
Als Winzer auch zu schauen,
Wenn er zum Menzenberge geht,
Sein Drachenblut zu bauen. -
Mein römisch Glas, so hell und rein,
So grün und bunt gekräuselt,
Erhub ein besseres Latein
Als Cicero gesäuselt.
Da schrieb man mein Diploma gut
Auf Pergament und Leder
Und steckte auf den Doktorhut
Mir eine Pfauenfeder.
Die Bauern aus dem Binger Loch
Hab ich zum Schmaus genommen;
Doch bin ich, leider, nimmer noch
Auf grünen Zweig gekommen.
Drum König, Ihr, in Gold und Samt,
Ihr hoch und sehr gepreister,
Sagt, habt Ihr nicht ein kleines Amt
Als Obertrinkemeister?
Gebt mir, soviel ein ehrlich Mann
Mit Würde weiß zu fassen,
Und habt Ihr keine Lust - wohlan,
So mögt Ihr's bleiben lassen.
Fortsetzung folgt... |