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Editorial
Hätte es noch eines letzten Beweises dafür bedurft, dass
die Linke ihren Frieden mit dem islamischen Faschismus gemacht hat, er
wäre spätestens jetzt, fünf Jahre nach dem 11. September, erbracht. Sie
ist zu großen Teilen auf Antiamerikanismus, Antizionismus und
reaktionären Antikapitalismus eingerastet, vermag es überhaupt nicht
mehr, ihren Wahn auch nur halbwegs zu reflektieren. Deutlich wird das
nicht nur bei einem Typen wie Bernhard Schmid, der nur noch damit
beschäftigt zu sein scheint, jüdische Nazis und deren deutsche
Helfershelfer ausfindig zu machen, sondern auch in der taz.
Jene scheint sich nach dem Untergang der rot-grünen Koalition wieder
oppositionell zu fühlen, so dass sie in den letzten Monaten ganz auf
alle Diplomatie pfiff und antizionistisch wie in ihren schlechtesten
Zeiten vom Leder zog. An vorderster Front: Der konkret-Autor
Alfred Hackensberger.
In der Ausgabe vom 9./10. September hatte man sich im
Rudi-Dutschke-Haus in der Berliner Kochstraße jedoch etwas ganz
besonderes ausgedacht: mal so richtig Propaganda für eine gerechte
Sache betreiben und den Amerikanern damit eins auswischen, das hatte
doch schon Rudi gewollt! Also entschloss man sich, ein riesiges
Vierfarbkonterfei Osama Bin Ladens auf die Titelseite zu setzen,
darüber: „Der Sieger“. Bin Laden war auf diesem Bild von
Einschusslöchern übersäht (aus manchen lief Blut), aber die Message
lautete: der Große Vorsitzende lebt immer noch! Wie kann das sein? Ist
Bin Laden unsterblich? Vielleicht, meint zumindest der in derselben
Ausgabe interviewte Mathias Bröckers, immerhin handele es sich bei den
Ereignissen vom 11. September um eine „Inszenierung“, ein „Märchen“.
Existiert Osama Bin Laden also gar nicht? Leiden wir unter
Halluzinationen, wenn wir behaupten, es gebe tatsächlich so etwas wie
einen islamischen Faschismus? Offensichtlich nicht. Denn den
Terrorismus leugnen auch die Damen und Herren, die in der taz-Befragungsrunde
zu Wort kommen, nicht. Doch in ihrer Vorstellung morden radikale
Moslems nicht aus purem Vernichtungswahn, sondern weil sie sich gegen
amerikanischen Imperialismus und westliche Dekadenz wehren. Auf die
Frage „Was hat Bushs Krieg gegen den Terror gebracht?“ fallen der
versammelten Gemeinde jedenfalls nur bemerkenswert dämliche Antworten
ein. Der Berufsantirassist und Schriftsteller Feridun Zaimoglu sagt:
„Er hat den Terror verzehnfacht.“ Die Professorin für Germanistik an
der Vanderbilt University Barbara Hahn antwortet: „Mehr Krieg.“ Der
TV-Holzkopf und professionelle Querdenker Friedrich Küppersbusch meint:
„Terror.“ Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und
Israelhass Jean Ziegler postuliert: „Mehr Terror.“ Die ehemalige
Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin doziert: „Zusätzliche
Gefahren für alle, eine Schwächung der UN und schreckliche Zustände im
Irak und im gesamten Nahen Osten.“ Der Palästinensertuchträger und
Hiphop-Star Jan Delay näselt: „Gaaaaaaar nix!!“ Und Jeff Gedmin,
immerhin vom eigentlich pro-westlichen Aspen Institute in Berlin gibt
zu Protokoll: „Mehr Terrorismus.“
Was einzig Charlotte Knobloch, Vorsitzende des Zentralrats der Juden in
Deutschland, in der Befragung korrekt als „Bedrohung“ benennt, ist all
den Zieglers, Delays und Zaimoglus nur eine absolut verständliche und
daher hinzunehmende Reaktion. Vielleicht hat sich die Redaktion der taz
deshalb dazu entschlossen, ein dreiseitiges Special über Beschneidung
zu bringen. Prophylaktisch. Denn lange kann es nicht mehr dauern bis
die „Genossen“ „Brüder“ heißen und die altbewährte taz-Tatze
durch ein islamisches Ornament ersetzt ist. Denn was antwortete noch
mal Bruder Zaimoglu auf die Frage, was sich seit 9/11 für ihn verändert
habe? „Ich habe den Koran gelesen, den ich in meiner Jugend schon mal
gelesen hatte: Nicht, um etwas nachzuprüfen, sondern aus einem stärker
werdenden Impuls heraus.“ Na dann: Allahu Akhbar!
Redaktion Prodomo
Köln, Oktober 2006
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